So läuft die Spritze ab
Die Injektion selbst dauert nur wenige Sekunden. Die Vorbereitung dauert einige Minuten.
Das Wichtigste vorweg
Ihr Auge wird vorher betäubt. Die Nadel ist sehr dünn – dünner als eine Nadel zur Blutabnahme. Die allermeisten Menschen empfinden die Spritze als unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Und: Sie sehen die Nadel nicht auf sich zukommen.
Was ist eine Augenspritze?
Das Innere Ihres Auges ist von einer klaren, gelartigen Masse ausgefüllt, dem Glaskörper. Dahinter liegt die Netzhaut mit ihrer Mitte, der Makula – der Stelle des schärfsten Sehens. Mit ihr lesen Sie, erkennen Sie Gesichter und Farben.
Bei mehreren Erkrankungen wird die Makula durch Flüssigkeit aufgequollen oder durch undichte Gefäße geschädigt. Damit ein Medikament dort wirklich ankommt, geben wir es mit einer sehr feinen Nadel direkt in den Glaskörper – also unmittelbar an den Ort, an dem es gebraucht wird.
Mit einer feinen Grube in der Mitte
Verdickt, mit Hohlräumen
Schematische Darstellung eines Netzhautschnittes, wie ihn die OCT-Untersuchung sichtbar macht.
Der Vorteil: Es wird nur eine winzige Menge Medikament gebraucht, und im übrigen Körper kommt fast nichts davon an. Die Behandlung ist ein kurzer, ambulanter Eingriff unter sterilen Bedingungen und dauert nur wenige Minuten.
Das Ziel der Behandlung
In den meisten Fällen geht es darum, Ihr Sehvermögen zu erhalten und eine weitere Verschlechterung aufzuhalten. Häufig bessert sich das Sehen zusätzlich. Wie gut, hängt davon ab, wie lange die Erkrankung schon besteht und wie stark die Netzhautmitte bereits verändert ist. Deshalb ist es wichtig, früh zu beginnen und die Termine einzuhalten.
Wo genau wird gespritzt?
Das Medikament wird in den Glaskörper gegeben – den klaren, gelartigen Raum im Inneren des Auges. Die Nadel geht dafür seitlich durch die weiße Lederhaut, etwa vier Millimeter hinter dem Rand der Hornhaut. An dieser Stelle liegt keine empfindliche Struktur im Weg: weder die Linse noch der scharf sehende Teil der Netzhaut.
Schematische Darstellung. Das Auge ist von der Seite gezeichnet, die Größenverhältnisse sind vereinfacht.
Schritt für Schritt
- Umkleide. Sie betreten den OP-Bereich. Bekommen eine Haube, Kittel und Überschuhe und lassen Ihre persönlichen Gegenstände in einem Spind - unser Personal hilft Ihnen.
- Betäubende Tropfen. Sie bekommen mehrmals Augentropfen oder Augengel, das die Oberfläche des Auges unempfindlich macht. Das Auge brennt kurz, danach fühlt es sich taub an.
- Desinfektion. Lid, Wimpern und Bindehaut werden gründlich mit einer jodhaltigen Lösung gereinigt. Das ist der wichtigste Schritt zum Schutz vor einer Infektion. Die Lösung kann etwas kalt sein und brennen und färbt die Haut vorübergehend bräunlich. Sagen Sie uns bitte, wenn Sie eine Jodallergie haben – dann verwenden wir ein anderes Mittel.
- Steriles Abdecken. Über Ihr Gesicht kommt ein steriles Tuch mit einer Öffnung für das Auge. Ein kleiner Lidhalter hält die Lider offen, damit Sie nicht blinzeln müssen und die Wimpern nicht in den Weg kommen. Das drückt etwas, tut aber nicht weh. Sie atmen dabei ganz normal – viele Menschen empfinden es als angenehm, während der wenigen Minuten ruhig durch den Mund zu atmen.
- Die Injektion. Sie werden gebeten, in eine bestimmte Richtung zu schauen – meist nach unten oder zur Seite. Dann folgt die eigentliche Spritze. Sie dauert nur zwei bis drei Sekunden. Manche Menschen spüren einen kurzen Druck oder ein kurzes Stechen.
- Kurz danach. Der Lidhalter wird entfernt, das Auge wird gespült, und Sie bekommen eine Salbe oder Tropfen. Wir prüfen, ob Sie gut sehen, und kontrollieren bei Bedarf den Augeninnendruck. Manchmal wird für ein paar Stunden ein Verband angelegt.
Wie lange dauert das alles?
- Die Spritze selbst: wenige Sekunden
- Vorbereitung und Injektion zusammen: etwa 10 bis 15 Minuten
- Aufenthalt bei uns insgesamt: etwa eine Stunde, am ersten Termin mit allen Untersuchungen zwei bis drei Stunden
Es wird keine Vollnarkose gegeben und keine beruhigenden Medikamente – das ist bei diesem Eingriff nicht nötig. Sie sind die ganze Zeit wach und ansprechbar.
Was Sie während der Spritze sehen
Das überrascht viele Menschen, deshalb sagen wir es vorher: Während und kurz nach der Injektion kann Ihr Auge Licht, Farben, Blitze oder Schatten wahrnehmen. Manche sehen einen dunklen Ring, ein Rieseln oder kleine Bläschen, die langsam nach oben steigen.
All das ist völlig normal und ungefährlich. Es entsteht dadurch, dass sich das Medikament im Glaskörper verteilt. Nach ein bis drei Tagen ist es verschwunden.
Wenn beide Augen behandelt werden
Beide Augen können am selben Tag gespritzt werden. Jedes Auge wird dabei vollständig getrennt vorbereitet: eigenes steriles Besteck, eigene Desinfektion, eigene Medikamentenpackung. So kann sich eine Infektion nicht von einem Auge auf das andere übertragen.
Womit Sie sich nicht belasten müssen
- Sie müssen nicht nüchtern sein. Essen und trinken Sie normal.
- Blutverdünner müssen nicht abgesetzt werden – weder Marcumar noch ASS oder die neueren Präparate. Bitte setzen Sie nichts eigenmächtig ab.
- Ihre übrigen Medikamente nehmen Sie wie gewohnt ein, auch Blutdruck- und Diabetesmedikamente.
- Bitte kommen Sie ohne Augen-Make-up und ohne Wimperntusche. Auch auf Parfum verzichten Sie an diesem Tag besser.
- Kontaktlinsen lassen Sie bitte zu Hause und bringen Ihre Brille mit.
Welche Risiken gibt es?
Die Behandlung ist gut erprobt und wird weltweit millionenfach durchgeführt. Häufig – und harmlos – sind:
- ein roter Fleck auf dem Weiß des Auges an der Einstichstelle
- ein Fremdkörpergefühl oder Kratzen für ein bis zwei Tage, meist durch die Desinfektionslösung
- vorübergehend bewegliche Punkte oder Schatten im Blickfeld
- ein kurzzeitiger Anstieg des Augeninnendrucks direkt nach der Spritze
Selten bis sehr selten sind ernste Komplikationen: eine Infektion im Augeninneren (etwa ein Fall auf 2.000 bis 5.000 Spritzen), eine Netzhautablösung, eine Verletzung der Linse oder eine Blutung. Deshalb ist es so wichtig, dass Sie die Warnzeichen kennen und im Fall der Fälle sofort reagieren.