Was geschieht vor der Spritze?
Bevor gespritzt wird, müssen wir genau wissen, was in Ihrer Netzhaut vor sich geht. Dafür sind mehrere Untersuchungen nötig. Keine davon tut weh – aber einige brauchen Zeit, und nach einigen sehen Sie für ein paar Stunden unscharf.
Welche Erkrankung bei Ihnen behandelt wird, lesen Sie in der Übersicht der Erkrankungen. Der Ablauf, den wir hier beschreiben, ist bei allen Erkrankungen gleich.
So kommt Ihr Termin zustande
Um den Termin müssen Sie sich in aller Regel nicht selbst kümmern. Wenn bei Ihnen der Verdacht auf eine feuchte Makuladegeneration oder eine ähnliche Netzhauterkrankung besteht, geben uns Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt Bescheid – ebenso unsere Kolleginnen und Kollegen auf Rügen oder in der Bleistraße. Unser Büro meldet sich dann bei Ihnen und vereinbart einen Termin in der Frankenstraße 86.
Ihr erster Termin – alles an einem Tag
Wir haben den Ablauf so gelegt, dass Sie möglichst nur einmal anreisen müssen. An diesem Termin geschieht der Reihe nach:
- Sehtest und Messung des Augeninnendrucks
- Erweiterung der Pupille und Untersuchung des Augenhintergrundes
- OCT und Farbstoffuntersuchung (Fluoreszenzangiographie)
- ein ausführliches Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über den Befund und die Behandlung
- wenn es sinnvoll ist und Sie es wünschen: direkt im Anschluss die erste Spritze
Die Kontrolle am Tag danach kann auf Wunsch wohnortnah auf Rügen erfolgen – Sie müssen dafür nicht erneut nach Stralsund fahren.
Bitte kommen Sie nicht mit dem eigenen Auto
Ihre Pupillen werden weitgestellt. Danach sind Sie für mehrere Stunden geblendet und nicht fahrtüchtig – das gilt an diesem Termin für jeden, auch wenn Sie sich gut fühlen. Lassen Sie sich bringen oder nutzen Sie Bus, Bahn oder Taxi. Bringen Sie außerdem eine Sonnenbrille mit.
Bitte bringen Sie mit
- Ihre Versichertenkarte und die Überweisung
- Ihre Brille – auch die Lesebrille
- Eine Liste Ihrer Medikamente (Medikationsplan)
- Allergiepass
- Eine Sonnenbrille und gern eine Begleitperson
- Etwas zu trinken und Geduld: Planen Sie für den ersten Termin bitte zwei bis drei Stunden ein.
Nüchtern sein müssen Sie nicht. Essen und trinken Sie normal und nehmen Sie Ihre Medikamente wie gewohnt ein – auch Blutverdünner. Diese müssen für die Untersuchungen und für die Spritze nicht abgesetzt werden.
Der Sehtest
Am Anfang steht die Messung Ihrer Sehschärfe. Sie lesen Zahlen oder Buchstaben, die immer kleiner werden – jedes Auge einzeln, mit Ihrer bestmöglichen Brille.
Das ist mehr als eine Formalität: Der Sehtest ist neben dem OCT der wichtigste Maßstab dafür, ob die Behandlung wirkt. Verglichen wird immer mit Ihren früheren Werten. Deshalb messen wir bei praktisch jedem Kontrolltermin erneut.
Die Messung des Augeninnendrucks
Das Auge hat einen inneren Druck, ähnlich wie ein Fahrradreifen. Wir messen ihn, weil er nach einer Spritze kurzzeitig ansteigen kann und weil einige Medikamente den Druck erhöhen können.
Gemessen wird berührungslos: Sie legen das Kinn auf eine Stütze und schauen auf ein kleines Licht. Das Gerät gibt dann einen kurzen, sanften Luftstoß auf das Auge – ähnlich wie ein Hauch. Es berührt das Auge nicht. Der Luftstoß kann überraschen, tut aber nicht weh. Die Messung dauert nur Sekunden.
Die weite Pupille und die Untersuchung des Augenhintergrundes
Die Pupille ist das Fenster, durch das wir ins Auge schauen. Damit wir die ganze Netzhaut überblicken können, muss sie weit sein. Dafür bekommen Sie Augentropfen zur Pupillenerweiterung – die Fachsprache nennt diesen Zustand Mydriasis.
- Die Tropfen brauchen 20 bis 30 Minuten, bis sie wirken. Diese Zeit verbringen Sie im Wartebereich.
- Anschließend schauen wir mit einer starken Lupe und hellem Licht auf Ihren Augenhintergrund. Das ist hell und blendet, tut aber nicht weh. Diese Untersuchung heißt Funduskopie.
- Die Wirkung hält vier bis sechs Stunden an, manchmal länger. So lange sehen Sie in der Nähe unscharf und sind stark geblendet.
Nach den Tropfen: nicht Fahren!
Solange die Pupille weit ist, dürfen Sie nicht Auto oder Fahrrad fahren und keine Maschinen bedienen. Lesen wird kaum möglich sein. Eine Sonnenbrille macht den Heimweg deutlich angenehmer.
Das OCT – ein Schichtbild der Netzhaut
OCT steht für optische Kohärenztomographie. Das Gerät tastet Ihre Netzhaut mit einem schwachen Lichtstrahl ab und errechnet daraus einen Querschnitt – so, als hätte man die Netzhaut aufgeschnitten und von der Seite fotografiert.
- Sie legen Kinn und Stirn an und schauen auf einen kleinen Lichtpunkt.
- Die Aufnahme berührt das Auge nicht und dauert nur wenige Minuten.
- Es wird kein Röntgen und kein Farbstoff verwendet, es ist völlig schmerzfrei.
Das OCT zeigt auf Bruchteile eines Millimeters genau, wie dick Ihre Netzhautmitte ist und ob Flüssigkeit eingelagert ist. Es ist deshalb die wichtigste Untersuchung, um zu entscheiden, ob und wann die nächste Spritze nötig ist. Bei fast jeder Kontrolle wird ein neues OCT gemacht und mit den vorherigen verglichen.
Die Fluoreszenzangiographie – die Farbstoffuntersuchung
Bei dieser Untersuchung machen wir die Blutgefäße der Netzhaut sichtbar. Sie zeigt, welche Gefäße undicht sind, wo neue Gefäße gewachsen sind und welche Bezirke schlecht durchblutet sind. Das OCT zeigt die Schwellung – die Angiographie zeigt ihre Ursache.
So läuft sie ab
- Ihre Pupillen werden weitgestellt.
- Sie bekommen eine kleine Kanüle in eine Armvene, wie bei einer Blutabnahme.
- Darüber spritzen wir einen gelben Farbstoff (Fluoreszein). Er ist kein Röntgenkontrastmittel und enthält kein Jod.
- Der Farbstoff erreicht das Auge nach wenigen Sekunden. Die Kamera macht dann eine Serie von Aufnahmen mit hellen Blitzen – das blendet kurz, tut aber nicht weh.
- Nach einigen Minuten folgen noch Spätaufnahmen. Insgesamt dauert alles etwa 15 Minuten.
Was danach normal ist
- Ihre Haut ist für einige Stunden leicht gelblich verfärbt.
- Ihr Urin ist ein bis zwei Tage lang kräftig gelb bis orange. Das ist harmlos – der Farbstoff wird über die Nieren ausgeschieden.
- Trinken Sie an diesem Tag reichlich, dann geht es schneller.
- Ein kurzes Übelkeitsgefühl direkt nach der Farbstoffgabe kommt vor und vergeht meist nach ein bis zwei Minuten von selbst.
Bitte sagen Sie uns vorher Bescheid, wenn …
- Sie Allergien haben
- Sie an einer Nierenerkrankung oder einer schweren Herzerkrankung leiden,
- Sie schwanger sind oder stillen,
- Sie Asthma haben oder schon einmal auf eine Untersuchung mit Farbstoff reagiert haben.
Schwerwiegende allergische Reaktionen sind sehr selten. Wir sind darauf vorbereitet: Sie werden während der Untersuchung überwacht, und alle Notfallmedikamente sind vor Ort.
Nicht jede Kontrolle braucht eine Angiographie
Die Farbstoffuntersuchung wird vor allem am Anfang gebraucht, um die Diagnose zu sichern – und später nur dann, wenn sich der Verlauf ändert oder etwas unklar ist. Für die laufenden Kontrollen genügen Sehtest, Augeninnendruck und OCT.
Das Gespräch und Ihre Einwilligung
Wenn alle Befunde vorliegen, bespricht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt sie ausführlich mit Ihnen: was gefunden wurde, welches Medikament in Frage kommt, wie oft gespritzt werden muss und welche Risiken bestehen. Sie erhalten einen Aufklärungsbogen und unterschreiben Ihre Einwilligung.
Nehmen Sie sich dieses Gespräch zu Herzen – es ist der richtige Moment für alle Fragen. Schreiben Sie sich vorher auf, was Sie wissen möchten. Eine Begleitperson darf gern dabei sein.
Diese Unterlagen unterschreiben Sie bei uns
Vor der ersten Spritze bitten wir Sie, einige Dokumente zu unterschreiben:
- Eine Einwilligung, dass wir das Medikament für Sie bei der Apotheke besorgen dürfen. Bitte wundern Sie sich nicht: Manche Patientinnen und Patienten erhalten dazu eine Rechnung über die Zuzahlung von der Medios Apotheke in Berlin.
- Ein Einverständnis zum sogenannten Off-Label-Use von Avastin – das Medikament ist für die Behandlung am Auge nicht offiziell zugelassen, wird dafür aber seit vielen Jahren weltweit eingesetzt.
- Gegebenenfalls einen Abrechnungsvertrag mit Ihrer Krankenkasse.